beschirmt

Ein älterer Mann erzählt mir ...

…von den ersten Spaziergängen mit seiner späteren Ehefrau. Am liebsten, so berichtet er, am liebsten seien sie damals bei Regenwetter zusammen unterwegs gewesen. Unter dem Regenschirm hätten sie die ersten, verstohlenen Küsse austauschen können, ohne im Dorf allzu sehr beobachtet zu werden.
Ein Schirm schützt. Zum Beispiel vor Blicken. Und vor allem vor dem Wetter. «Schirm» ist auch das alte deutsche Wort für Schutz. Deshalb betet in der Bibel einer: «Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe!» (Psalm 91, 1-2)
Gottes «Schirm» verändert das Wetter nicht; ich muss es trotzdem aushalten. Aber in Seinem Schutz vermögen mir die garstigen Be¬ding¬ungen weniger anzuhaben. Ich bin dem steifen Wind, der mir entgegenbläst, dem Platzregen, der sich über mich ergiesst, nicht schutzlos ausgeliefert. Ich bin nicht alleine. Nicht im Sonnenschein und nicht im Unwetter. Ich werde beschirmt, beschützt, begleitet. Und ich darf deshalb den uralten Psalm mitbeten: «Meine Zuversicht! Mein Gott, auf den ich hoffe!.»

Pfrn. Andrea Spingler, Seelsorgerin am St.Claraspital